Vor über einem halben Jahr fragte mich eine Freundin ganz begeistert, ob ich nicht Lust hätte, mit zu einem Konzert von Hans Zimmer zu kommen. Als leidenschaftlicher Hörer seiner Filmmusik schloss ich mich der kleinen Gruppe liebend gern an. Letzten Freitag war es dann so weit, wir reihten uns in die langen Schlangen vor den Eingängen ein. Aufgrund von Taschendurchsuchungen brauchte die ganze Prozedur sehr lange und wir schafften es gerade so auf unsere Plätze, bevor Hans Zimmer um Punkt halb 8 das Konzert eröffnete. Viele der Besucher standen noch draußen oder wurden von den Platzanweisern auf ihre Plätze verwiesen. Dies brachte eine enorme Unruhe in das Stadion, bei welchem jeder Schritt und jedes Wort durch das natürliche Echo durch den Raum geworfen wurde. Diese Nebengeräusche zogen sich leider auch durch die komplette Vorstellung.
Zu Beginn waren vielleicht rund 20 Musiker auf der Bühne und ich hatte mich schon gefragt, ob das deren Ernst sei, da fiel ein Zwischenvorhang zu Boden und enthüllte den Rest der Band und einen Chor. Und eben so muss man es leider nennen, eine Band, bzw vielleicht ein kleines Orchester, doch es war nicht das, was wir erwartet hatten. Außerdem bestachen die Musiker (vor allem -innen) in den ersten beiden Reihen durch sehr hübsche, junge Gesichter, tolle Körper und extrem wenig schwarze Bekleidung. Ich fühlte mich wie auf einem amerikanischen Popkonzert. Hinzu kam, dass die Akutsik schlichtweg grausam war. Der Schall wurde, außer direkt auf der Bühne, durch nichts gedämmt und unsere Musikquelle war ein einzelner Lautsprecher vor unserem Rang. Der Regen, der sich zu der untergehenden Sonne auf das Stadiondach gestellte, war sehr romantisch aber verbesserte das Klangbild auch nicht gerade. Jetzt, in diesem Moment in dem ich schreibe, höre ich die selbe Musik in sehr viel besserer Tonqualität im Wohnzimmer meiner Schwester.
Einen guten Vergleich hatte ich auch bei „Lion King“: erst vor ein paar Wochen habe ich den König der Löwen in Hamburg im Musical gesehen und dort hat mich die Anfangsszene musikalisch zehnmal mehr vom Hocker gerissen als in Frankfurt im Waldstadion. Ein Freund von mir sagte ganz richtig „man spürt die Musik nicht richtig“. Ganz süß dabei war aber, dass der Sänger des Liedes als weibliche Unterstützung seine Tochter an seiner Seite hatte. Diesen Fakt, sowie jeweils eine Geschichte zu nahezu jedem Lied, wollte Hans Zimmer uns natürlich nicht vorenthalten. Man musste aber Glück haben, wenn er dabei auch die Zuordung zu dem jeweiligen Film verriet. Auf jeden Fall teilt der gebürtige Frankfurter seinen Erzählungen nach wahrscheinlich mit der halben Welt eine „unglaublich tiefe, langjährige Freundschaft“. Nach Lisa Gerrard, der Sängerin zu der Musik von Gladiator, stand auch auf einmal Trevor Horn auf der Bühne, um „Video Killer the Radiostar“ von The Buggles zum Besten zu geben. Hans Zimmer war wohl anscheinend mal Teil dieser Band und ist laut Wikipedia auch auf dem dazugehörigen Musikvideo zu sehen.
Als die Dame am E-Chello groß angekündigt wurde um einen Teil aus Fluch der Karibik zu spielen, haben wir währen ihrer Performance auf den Bildschirmen vor allem ihren nackten Bauch gesehen und wie sie immer wieder ganz emotional ihren Kopf in den Nacken warf. Das ganze wirkte fast mehr wie ein Schauspiel, als ein klassisches Konzert. Das Publikum war jedoch äußerst dankbar, nicht nur einmal gab es unten im Parkett Standing Ovations und von überall Zwischenrufe wie „Yeah“ und „Wohooo“. Der Ton wurde gefühlt über die Vorstellung hinweg immer lauter und zum Ende hin, bei der Musik zu Interstellar, schepperte das Blechdach über unseren Köpfen. Es mag sein, dass meine Einschätzung falsch ist, aber ich verspürte bei dem Auftritt von Hans Zimmer sehr viel Glam, sehr viel Tamtam aber sehr wenig Authentizität. Ich könnte ihm seine große Liebe zur Musik auch besser abkaufen, wenn er keine 70 Euro Tickets für so eine miserable Klangqualität verkaufen würde. Nach diesem Konzert nehme ich mir vor, diese Art der Musik ohne die Prominenz von Hans Zimmer noch einmal gespielt von einem Sinphonieorchester in den passenden Räumen zu hören.
Sehr nett war, dass nach dem Konzert „Always Look on the bright side of life“ aus den Lautsprechern ertönte. Dies brachte die Menge, die wie immer etwas mürrisch auf die Ausgänge zuschwemmte, dazu mitzusingen, mitzupfeifen und das ganze sehr viel gelassener zu betrachten. Solch gute-Laune-Musik sollte immer am Ende von großen Veranstaltungen gespielt werden. So hatte der nicht auf ganzer Linie überzeugende Abend noch einen sehr harmonischen Abschluss.