Am 23. Oktober 2015, ein stumpfgrauer Herbsttag in Hessen, klingelte zum frühen Mittag mein Handy und meine älteste Schwester war dran. Leicht panisch fragte sie „Hast du das mit Blumentopf mitbekommen? In einem Jahr ist Abschlusskonzert in München“ Ja, hatte ich, ich hatte auch schon mit unserer mittleren Schwester kommuniziert, ob wir das nicht unserer ältesten zu Weihnachten schenken wollen. Doch (Gott sei Dank) überwog die „Wenn wir es jetzt nicht machen ist es vielleicht zu spät“-Ader, welche sich durch unsere Familie zieht. So waren innerhalb einer halben Stunde und mehrerer Telefonaten zwischen Österreich und Deutschland die Tickets bestellt. Zum Glück. Denn ein paar Stunden später lese ich den Post auf der Blumentopf Facebookseite „IHR SEID DIE KRASSESTEN!!! Innerhalb von 8 Stunden habt Ihr unsere Abschieds Show ausverkauft! []“
Ein Jahr später stehen wir zu fünft in der langen Schlange vor dem Zenith und warten gespannt ab, wie sich dieser dicke Menschenwurm nach drinnen bewegt. Die Halle füllt sich langsam, viele Menschen tragen schon das Shirt des heutigen Abends mit der Rückenaufschrift „Das letzte Konzert – München 22.10.2016 Zenith – Danke und Servus – Blumentopf“. Die Stimmung ist eigenartig, nicht zu greifen. Später wird mir bewusst, dass es unter anderem daran liegt, dass die heute Abend Anwesenden wahrscheinlich das perfekte Konzertpublikum sind. Denn dort waren nicht die Menschen die sich dachten „ach, ich weiß doch noch gar nicht, wo ich nächstes Jahre bin“ oder „dafür ist am Wochenende noch genug Zeit“. Dort waren die Menschen, die nicht warten konnten, kein Risiko eingehen wollten, sich dachten „egal, was ich in einem Jahr mache, an dem Tag bin ich im Zenith in München“. Dort waren die Menschen, die wie wir innerhalb dieser kleinen Zeitspanne, dieses viertel Tages ihre Tickets gekauft haben. Dort waren Menschen, denen dieser Abend wichtig war. Und das hat man gespürt.
Es gab keine Vorband und die brauchte es auch nicht. Blumentopf hat über drei Stunden alles aufgefahren, was sie hatten. Esther war da, von David Pe gabs kleine Blumentöpfe für die Töpfe und schöne Freestyles, die Blaskapelle Münsing spielte nach „Fenster zum Berg“ eine Zugabe und Texta durfte natürlich auch nicht fehlen. Zwischen den Liedern gab es viele kleine Storys, Überleitungen und neue Texte über den Abschied.
Es war kein gewöhnliches Konzert, die Stimmung war sehr eigen. Am besten beschreibt es das Lied „Solala“. Es wurden Zeilen über das Aufhören der Band und das letzte Konzert an genau diesem Abend eingefügt. Die Menge schrie immer wieder „Solala solala“. Und genau das war es. Solala. Zum einen war es eine riesige Party, vielleicht die größte, die Blumentopf je auf der Bühne hatte. Die ganze Zeit flogen Luftballons über der Menge. Doch zum anderen war fast zu greifen, dass bei allen immer wieder der Gedanke hochkam „Das ist heute das letzte Mal. Das Allerletzte“. Und dieser Gedanke legte sich wie eine mal dickere, mal dünnere Wattedecke über die große Freude. Richtig schlucken musste ich, als sich die Menge in ein riesiges Lichtermeer verwandelte (Smartphones können eben auch was gutes haben auf Konzerten).Die Band war gerührt. Immer wieder bedankte sich Blumentopf bei allen Beteiligten. Zum Schluss hin holten sie nach und nach verschiedene Menschen auf die Bühne, welche ihnen ihre ganze Karriere geholfen hatten genau die Band zu sein, die sie waren. Anfangs applaudierte die Menge mit einem wahnsinnigen Getöse, doch wurde dies immer schwächer. Denn 10 Minuten klatschen und johlen für Menschen, die man nicht kennt ist doch sehr ermüdend. Ich hoffe das nehmen uns die Verabschiedeten nicht übel. Wir sind ihnen ja auch sehr dankbar, dass Blumentopf genau die Karriere hatten, die sie eben hatten.
Als sich die Töpfe dann auch mit sehr rührenden Worten von den Fans verabschiedeten und die Bühne verließen konnte es keiner fassen. Das war das Ende? – nein, war es noch nicht. Auf einmal waren sie auf einer Bühne beim Mischpult, in der Mitte des Publikums und spielten weiter. Anschließend ging es durch eine Menge von der die eine Seite „was ich lieb“ schrie und die andere Seite mit „was ich hass“ antwortete, zurück auf die Bühne. Nun packten ein paar Fans vor uns Wunderkerzen aus. Noch so ein Wattedeckemoment. Ein paar Tracks später wars dann aber wirklich vorbei. Ein riesiger schwarzer Vorhang mit einem ganz schlichten „Danke“ fiel vor der Bühne. Das wars. Vielen Dank Blumentopf für die tollen letzten 24 Jahre mit diesen Alben, die so sehr reale Geschichten erzählen.
Danke.
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Die letzten beiden Bilder habe ich nicht selbst aufgenommen. Ich habe sie von der Facebookseite von Blumentopf. Sie sind von Hans Herbig und Rakete.