Martin Paradise – Growing Up

Und weil drei so eine wunderschöne Zahl ist, heut doch direkt noch ein dritter Beitrag.

Dass mein Cousin Musik macht, wusste ich schon länger. Aber bisher hab mich nicht groß damit beschäftigt. Gestern Abend schreibt er mir „hab gesehen, du bist Maeckes Fan“ (witzig dazu: als ich über Facebook Begleitung für ein Maeckes Konzert gesucht habe, dachten die Leute ernsthaft ich plane im großen Stil nen Trip zu Mac Donald’s). Und dann kam weiter „grad meinen ersten song rausgebracht und funfact: der mixer von meinem song hat auch maeckes gemixt“.

Denn Martin wohnt jetzt in Berlin und hat geschrieben.. das kam dabei heraus:

 

Richtig gut. Ich bin immer noch ganz fasziniert davon, dass das von meinem „kleinen Cousin“ kommt. Martin, Hut ab!  Zu dir würd ich dann auch liebend gern mal auf ein Konzert gehen.

hier findet ihr in bei Facebook und Soundcloud. Leute followed, verteilt likes. Das ist Familie!

II. Hessische Gebirgsmarine

Letzte Woche haben wir es endlich geschafft. Wir haben einen WG-Ausflug zu einem Konzert der II. Hessischen Gebirgsmarine gemacht.

Die Jungs (inklusive unserem Mitbewohner Andi) singen Shantys. Neuerdings werden sie von einem hessischen Seebären mit „Seemannsgarn“ begleitet – was bedeutet, dass dieser immer wieder zwischendurch Kurzgeschichten vorliest.. diese waren leider nicht sonderlich kurz.

Aber irgendwann war die Unterbrechung wieder vorbei und die Männer auf der Bühne fingen wieder an zu singen. Von Liebesliedern über Trinklieder über.. ich weiß nicht genau was, war es ein unglaublich entspannter Abend. Ein rein akustisches Spektakel, nur teilweise begleitet von einer Cajon oder einer Gitarre. Mal ruhig, mal mitschunkelnd, mitsingend und klatschend hatte der kleine Raum im StRiedKult-Klub sehr viel Spaß mit der II. Hessischen Gebirgsmarine.

Immer wieder wechseln die Jungs durch, wer die Solo-Parts der Lieder übernimmt. Und ziemlich zum Schluss stand da unser Andi in der Mitte und sang das Lied, dass er in seinen ersten Wochen als unser neuer Mitbewohner auf dem Balkon zum besten gab. Mit Bier mussten wir ihn damals überreden. Diese Einzelvorstellung im Sommer war ja schon schön, aber begleitet von seinen Kollegen verursachte es fast Gänsehaut.

So kann ich jedem, der mitbekommt, dass die Jungs in der Nähe singen nur raten, sich das Spektakel anzuschauen. Es macht Spaß!

Moop Mama

Obwohl ich wusste, dass ich zu der Zeit auf Krücken unterwegs sein würde, konnte ich es mir nicht nehmen lassen und habe Tickets für die M.O.O.P. TOPIA TOUR 2016 geholt. Eine sehr sehr gute Entscheidung. Meine Schwester hat ihr Ticket zum Geburtstag bekommen und so haben wir noch meinen Mitbewohner und ihren Freund (Namensgeber dieses Blogs) eingepackt und sind nach Wiesbaden getingelt.

Voract war Marz. Im Voraus hatte ich mir schon was von ihm angehört und war nur mäßig begeistert. Doch je länger er auf der Bühne stand, desto besser hat er mir gefallen. Einen guten Teil der Menge hat er mit dem stillen Applaus angesteckt (man hebt eine Hand in die Höhe und macht eine Bewegung, als würde man etwas schnell auf und zu schrauben).

Moop Mama hat anschließend leider etwas auf sich warten lassen. Wozu ich wieder einmal nur sagen kann „was bringt es, einen Voract auf die Bühne zu schicken um die Menge anzuheizen, wenn man sich dann so viel Zeit lässt, dass die Menge schon wieder genervt ist“. Aber was will man machen, vielleicht hatten sie ja ihre Gründe.

Das erste Lied war „Meermenschen“ – wie ich finde eine ungewöhnliche aber sehr gute Wahl. Das Lied ist ruhig, wichtig und hat viel Tiefgang. Zu jedem anderen Zeitpunkt wäre es untergegangen. Anschließend konnte die Party losgehen. Bei „Die Erfindung des Rades“ ist Keno mit dem schönen roten BMX über die Bühne gecruised, welches nach der Tour für Flüchtlingshilfe auf ebay versteigert wird. Bei „Insel“ hat sich Keno in einer aufblasbaren Insel mit Palme über das Publikum tragen lassen. Die erste Runde ging gut, in der zweiten ist er leider abgestürzt. Aber schien ihm nichts passiert zu sein, die Party ging weiter. Über den Abend hat jedes Instrument entweder einzeln oder in Gruppen ein Solo hingelegt. Davon hat mich am meisten das Solo der Tuba beeindruckt. Das kann man gar nicht in Worte fassen, das muss man erleben.

Die Menge hat sehr gut auf die Stimmungen der Lieder reagiert. Bei „Stadt, die niemals schläft“ wurden die Feuerzeuge und Taschenlampen der Handys (sieht in der Menge wirklich richtig schön aus!) herausgeholt. Bei „Alle Kinder“ wurde gemeinsam gesungen und geflüstert. Zu Elefant wurde gepogt, was sich jedoch nach kurzer Zeit zu einem im Kreis laufend/tanzenden Gewimmel  veränderte. Ein sehr angenehmes Publikum. Eine wahnsinnig schöne Stimmung. Nur gestört von ein paar Mädels aus Mainz, die es unglaublich lustig fanden in den unpassendsten Momenten „Mainz – Mainz – Mainz-…“, angelehnt an die Seemöwen in „Findet Nemo“, zu rufen. Zu „Über den Dingen“ gab es eine Polonaise der gesamten Band einmal quer durch die Menge. Nur schade war, dass mein Lieblingslied „Geh mit uns“ nur halb gespielt wurde. Aber immerhin lieber halb, als gar nicht.

Nach eineinhalb Stunden verließ die Band die Bühne und mein Mitbewohner schaute etwas enttäuscht, da „Prokrastination“ nicht gespielt wurde. Doch zu früh getrauert. Damit wurde die Zugabe eröffnet. Und dazu hat die Band ihre Instrumente mit Leuchtstäben ausgestattet. Dem folgte noch eine halbe Stunde weitere Moop Mama Party, unter anderem mit Dubstep Einlage. Was die Band da zaubert ist wirklich unglaublich. Auf der Heimfahrt hat mein Mitbewohner nur gemeint „also bis auf ‚Prokrastination‘ hätte ich die ja bisher nicht so daheim angehört. Aber jetzt find ich sie wirklich gut! Ich bin richtig begeistert.“ Und so kann ich euch nur empfehlen, wenn ihr irgendwo irgendwie die Chance habt die Jungs live zu sehen, dann nutzt sie!

Abschließend möchte ich mich noch bei dem netten Security vom Schlachthof bedanken, der mir angeboten hat mich auf die Empore der Rollstuhlfahrer zu setzen. Doch obwohl ich ganz peinlich berührt kurz allein in der Menge stand, die um mich rum kniete bin ich froh mich nicht hinter gesetzt zu haben.

Danke MOOP MAMA, gute Musik ist die beste Medizin!

Blumentopf – das letzte Konzert

Am 23. Oktober 2015, ein stumpfgrauer Herbsttag in Hessen, klingelte zum frühen Mittag mein Handy und meine älteste Schwester war dran. Leicht panisch fragte sie „Hast du das mit Blumentopf mitbekommen? In einem Jahr ist Abschlusskonzert in München“ Ja, hatte ich, ich hatte auch schon mit unserer mittleren Schwester kommuniziert, ob wir das nicht unserer ältesten zu Weihnachten schenken wollen. Doch (Gott sei Dank) überwog die „Wenn wir es jetzt nicht machen ist es vielleicht zu spät“-Ader, welche sich durch unsere Familie zieht. So waren innerhalb einer halben Stunde und mehrerer Telefonaten zwischen Österreich und Deutschland die Tickets bestellt. Zum Glück. Denn ein paar Stunden später lese ich den Post auf der Blumentopf Facebookseite „IHR SEID DIE KRASSESTEN!!! Innerhalb von 8 Stunden habt Ihr unsere Abschieds Show ausverkauft! []“

Ein Jahr später stehen wir zu fünft in der langen Schlange vor dem Zenith und warten gespannt ab, wie sich dieser dicke Menschenwurm nach drinnen bewegt. Die Halle füllt sich langsam, viele Menschen tragen schon das Shirt des heutigen Abends mit der Rückenaufschrift „Das letzte Konzert – München 22.10.2016 Zenith – Danke und Servus – Blumentopf“. Die Stimmung ist eigenartig, nicht zu greifen. Später wird mir bewusst, dass es unter anderem daran liegt, dass die heute Abend Anwesenden wahrscheinlich das perfekte Konzertpublikum sind. Denn dort waren nicht die Menschen die sich dachten „ach, ich weiß doch noch gar nicht, wo ich nächstes Jahre bin“ oder „dafür ist am Wochenende noch genug Zeit“. Dort waren die Menschen, die nicht warten konnten, kein Risiko eingehen wollten, sich dachten „egal, was ich in einem Jahr mache, an dem Tag bin ich im Zenith in München“. Dort waren die Menschen, die wie wir innerhalb dieser kleinen Zeitspanne, dieses viertel Tages ihre Tickets gekauft haben. Dort waren Menschen, denen dieser Abend wichtig war. Und das hat man gespürt.

Es gab keine Vorband und die brauchte es auch nicht. Blumentopf hat über drei Stunden alles aufgefahren, was sie hatten. Esther war da, von David Pe gabs kleine Blumentöpfe für die Töpfe und schöne Freestyles, die Blaskapelle Münsing spielte nach „Fenster zum Berg“ eine Zugabe und Texta durfte natürlich auch nicht fehlen. Zwischen den Liedern gab es viele kleine Storys, Überleitungen und neue Texte über den Abschied.

Es war kein gewöhnliches Konzert, die Stimmung war sehr eigen. Am besten beschreibt es das Lied „Solala“. Es wurden Zeilen über das Aufhören der Band und das letzte Konzert an genau diesem Abend eingefügt. Die Menge schrie immer wieder „Solala solala“. Und genau das war es. Solala. Zum einen war es eine riesige Party, vielleicht die größte, die Blumentopf je auf der Bühne hatte. Die ganze Zeit flogen Luftballons über der Menge. Doch zum anderen war fast zu greifen, dass bei allen immer wieder der Gedanke hochkam „Das ist heute das letzte Mal. Das Allerletzte“. Und dieser Gedanke legte sich wie eine mal dickere, mal dünnere Wattedecke über die große Freude. Richtig schlucken musste ich, als sich die Menge in ein riesiges Lichtermeer verwandelte (Smartphones können eben auch was gutes haben auf Konzerten).Die Band war gerührt. Immer wieder bedankte sich Blumentopf bei allen Beteiligten. Zum Schluss hin holten sie nach und nach verschiedene Menschen auf die Bühne, welche ihnen ihre ganze Karriere geholfen hatten genau die Band zu sein, die sie waren. Anfangs applaudierte die Menge mit einem wahnsinnigen Getöse, doch wurde dies immer schwächer. Denn 10 Minuten klatschen und johlen für Menschen, die man nicht kennt ist doch sehr ermüdend.  Ich hoffe das nehmen uns die Verabschiedeten nicht übel. Wir sind ihnen ja auch sehr dankbar, dass Blumentopf genau die Karriere hatten, die sie eben hatten.

Als sich die Töpfe dann auch mit sehr rührenden Worten von den Fans verabschiedeten und die Bühne verließen konnte es keiner fassen. Das war das Ende? – nein, war es noch nicht. Auf einmal waren sie auf einer Bühne beim Mischpult, in der Mitte des Publikums und spielten weiter. Anschließend ging es durch eine Menge von der die eine Seite „was ich lieb“ schrie und die andere Seite mit „was ich hass“ antwortete, zurück auf die Bühne. Nun packten ein paar Fans vor uns Wunderkerzen aus. Noch so ein Wattedeckemoment. Ein paar Tracks später wars dann aber wirklich vorbei. Ein riesiger schwarzer Vorhang mit einem ganz schlichten „Danke“ fiel vor der Bühne. Das wars. Vielen Dank Blumentopf für die tollen letzten 24 Jahre mit diesen Alben, die so sehr reale Geschichten erzählen.

Danke.

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Die letzten beiden Bilder habe ich nicht selbst aufgenommen. Ich habe sie von der Facebookseite von Blumentopf. Sie sind von Hans Herbig und Rakete.